Dienstag, 8. Oktober 2013

Samstag, 5. Oktober 2013

Feuerwerk, Feuerwerk

Heute hat es mich nach Frankreich gezogen. Genauer gesagt in das französische Viertel Seorae. Hier leben sehr viele Franzosen und entsprechend gibt es auch ein paar französische Geschäfte. Da das Viertel auf einem kleinen Berg liegt, nennt man es auch Montmartre, und es gibt sogar einen Montmartre-Park. Ansonsten gibt es einige Wein- und Käsegeschäfte, ein paar Bäckereien und Cafés. Und es sprechen sehr viele Leute auf der Straße französisch. Dementsprechend bin ich schnell wieder aus dem Viertel geflüchtet ;)
Mein nächstes Ziel war der Campus der Ewha Frauenuniversität. Dieser ist recht sehenswert. Die Gebäude könnten auch in England oder Amerika stehen und der Park ist ziemlich schön gestaltet. Im Kontrast dazu steht das Hauptgebäude, das unterirdisch liegt und mit viel Glas relativ modern wirkt. Ein sehr interessanter Mix. Das Viertel rund um die Uni ist eindeutig auf shoppende Frauen ausgelegt. Ich habe hier trotzdem eine neue Jacke gefunden. Direkt nebenan liegt Sinchon, das Viertel rund um die Yonsei Universität. Auch hier steht das shoppen im Vordergrund. Und die Auswahl für Männer ist etwas größer.
Wenn man noch etwas weiter läuft, kommt man zur Hongik Universität in Hongdae. Diese Uni ist künstlerischer ausgerichtet und so hat auch das Viertel einen anderen Flair. Hier findet man viele Künstler und Musiker auf den Straßen, es gibt mehr Cafés und es ist eins der bekanntesten Partyviertel Seouls. Mich hat es auch in ein Café verschlagen. Und es war wieder mal ein Katzencafé. Diesmal aber ohne lebende Katzen. Dafür aber um so mehr Pink! Und auf meinem Grüntee Latte hat mich ein Katze mit Schleife im Haar angegrinst.
Als ich wieder draußen war, dachte ich erst das Pink hätte mir die Netzhaut zerfressen, aber ich habe mich nicht verguckt. Eine paar Straßen weiter stand tatsächlich ein Miniaturnachbau des Prager Rathauses. Mittlerweile war es schon deutlich später als geplant und ich brach auf zu meinem eigentlichen Hauptziel des Tages. Dem Feuerwerk Festival auf der Insel Yeouido.



Hier erwartete mich vor allem eins. Menschen! Unvorstellbar viele Menschen. Die Straßen waren komplett gesperrt und voller Menschen, die sich Richtung Flussufer gequetscht haben, wo das Festival stattfand. Das Festival selbst ging den ganzen Tag. Das Feuerwerk begann gegen halb acht und ging mit kurzen Unterbrechungen bis Abends um 21 Uhr, also über zwei Stunden lang. Eigentlich wollten wir Deutschen uns vor Ort treffen. Angesichts der Menschenmassen war das aber aussichtslos. Sehr eng, aber überraschend gesittet verlief der Gang zur Subway und die Heimfahrt.
In unserem Viertel angekommen, haben wir uns schlussendlich alle doch noch getroffen und sind zusammen in eine Makgeolli Bar gegangen. Es folgen wie immer eine Menge Bilder. Zusätzlich gibt es diesmal noch ein paar Bilder von Pi, der das Festival von der anderen Flussseite aufgenommen hat.
2013-10-05 Feuerwerk
2013-10-05 Von Pi

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Gestern stand ich am Rande des Abgrunds, heute bin ich einen Schritt weiter

Heute ist der 23. Tag der deutschen Einheit. So alte Leute wie ich können sich noch an den Tag selbst erinnern. In Korea ist das heute etwas anders. Hier feiert man heute Gaecheonjeol (개천절), den Tag der Gründung Koreas im Jahre 2333 v. Chr., also vor 4346 Jahren. Der Legende nach hat König Dangun damals die erste koreanische Nation gegründet. Ob es davon noch Zeitzeugen gibt?
Der Legende nach wollte Hwanung, der Sohn des Himmelsherrn Hwanin einst auf der Erde leben. Er wurde am 3. Oktober 2457 v. Chr. auf den Berg Baekdu geschickt und gründete dort die Stadt Sinsi, die Stadt Gottes. Der Name des Feiertags Gaecheonjeol bezieht sich auf diesen Tag und heißt "der Tag, an dem sich der Himmel öffnete" bzw. "Tag des offenen Himmelstores". Hwanung brachte den Menschen Gesetze, Moral, Kultur, Medizin und Landwirtschaft.
Ein Bär und ein Tiger baten Hwanung darum, sie in Menschen zu verwandeln. Hwanung befahl ihnen hundert Tage lang in einer Höhle zu leben, das Sonnenlicht zu meiden und sich von Knoblauch und Beifuss zu ernähren. Schon bald gab der Tiger auf. Der Bär jedoch hielt durch und wurde in eine Frau verwandelt. Diese wurde aber bald traurig, da sie keinen Mann und keine Kinder hatte. Wie nützlich für Hwangung, der sie zur Frau nahm. Ihr gemeinsames Kind war Dangun Wanggeom. Dieser soll 2333 v. Chr. den Thron bestiegen haben und das Königreich Gojoseon (das alte Korea) gegründet haben.
Berge spielen also eine wichtige Rolle in der Legende. Was liegt da näher als zur Feier des Tages eine Bergwanderung zu machen? Daher geht es heute auf den Gwanaksan, den Hausberg unserer Uni. Den habe ich zwar schon einmal bestiegen, aber die anderen Deutschen noch nicht. Außerdem wollte ich mal eine andere Route ausprobieren.
So ging es mit dem Bus erstmal nach Sadang auf der anderen Seite des Berges. Hier startet heute unsere Tour auf den 629 Meter hohen Berg. Laut der Internet-Seite soll der Aufstieg von hier etwa zweieinhalb Stunden dauern. Am Ende wurden es fast vier Stunden. Ich bin ja schon einige koreanische Wanderwege gewohnt, daher hat es mich nicht erschreckt, dass wir auf alles andere als befestigte Wege gestoßen sind. Schon bald kamen etwas größere Steine, die man erklimmen musste. Aber auch alles kein Problem. Nach jedem Anstieg wurde man mit einem super Ausblick belohnt. Und dieser wurde mit jedem Meter besser.
Nach einer halben Stunde sahen wir schon einen ersten Gipfel. Manch einer dachte vielleicht schon, dass sei das Ziel. Aber es war eher der Gipfel, der den Blick auf den Gipfel verdeckt, von dem man den Gipfel sieht, auf den wir wollen. Aber es war ein schöner Ort für eine kleine Pause.
Weiter ging es über immer felsiger werdendes Terrain. Schon bald wurde aus der Wanderung eine kleine Kletterpartie. Das Springen über einen etwa ein Meter breiten und gut zwei Meter tiefen Abgrund verschweige ich mal gekonnt und erwähne lieber, dass nun immer öfter Seile und Ketten in den Felswänden verankert waren. Sicherheit geht nun mal vor! Kurz vor dem Gipfel hat uns noch eine kleine Überraschung erwartet. Eine kleine Steilwand, an der man sich entlang eines schmalen, in Stein gehauenen Pfades an Ketten entlang hangeln und hochziehen musste.
Nach fast vier Stunden waren wir dann auf dem Gipfel. Nach einer kurzen Pause ging es auch schon an den Abstieg. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir nach insgesamt sechseinhalb Stunden Wanderung endlich am Haupteingang der Uni an.
2013-10-03 Gwanaksan

Samstag, 28. September 2013

Katzencafé

Heute war ich mit Julian, Pi und Elias in der Stadt.  Primärziel: Kameraläden in Namdaemun. Ein Paradies für Fotofreunde. Es sind zwar alles nur sehr kleine Läden, diese haben aber eine große Auswahl und sehr gute Preise. Wer gezielt auf die Suche geht, wird hier schnell fündig. Aus irgendeinem Grund habe ich heute alle Bilder mit einer 35mm Festbrennweite gemacht. *hüstel* 
Nachdem wir noch ein paar Fotoläden abgeklappert haben, ging es weiter über den Namdaemun-Markt und nach Myeong-dong. Nach dem Mittagessen ging es noch für einen Kaffee in ein Katzencafé. In diesen Cafés rennen Katzen frei herum und lassen sich knuddeln. Da es den Rest des Tages geregnet hat, wurden alle weiteren Pläne für den Tag über den Haufen geworfen und ich war ein wenig einkaufen. Natürlich wieder nur total notwendige Dinge.
2013-09-28 Katzencafe

Donnerstag, 26. September 2013

Blutbank

Heute habe ich endlich meinen Studentenausweis erhalten. Nun kann ich mir selber Essensmarken kaufen und kriege auf dem Campus Rabatt auf Kaffee (besonders wichtig). Und es ging fast schnell und unkompliziert.
Zuerst musste ich Passbilder machen lassen. Dass der Fotograf nur koreanisch gesprochen hat, hat es nicht unbedingt einfacher gemacht. Als ich ihm dann noch erzählt habe, dass ich aus Deutschland komme, hat er aus irgendeiner Ecke eine deutsche Bibel hervorgezaubert, dort auf Bibelstellen gedeutet, in denen Stefan vorkommt und mir eine Einladung in seine Kirchengemeinde in die Hand gedrückt. Nach einiger Zeit habe ich dann tatsächlich noch Passbilder bekommen.
Nun wollte ich meinen Studentenausweis abholen. Da das ja nicht so schwer sein sollte, habe ich heute mal keinen Dolmetscher mitgenommen. Die Frau am Schalter hat nur Student-Card verstanden und auf dem Campusplan auf ein eingekreistes Gebäude gezeigt. Da muss ich wohl hin. Dort angekommen stand ich vor einer Bank. Drinnen hing schon ein Plakat mit Student-Card blabla irgendwas. Als ich länger als zwei Sekunden auf das Plakat geschaut habe, kam schon eine Mitarbeiterin auf mich zu, die direkt nach meiner Alien registration card gefragt hat. Als sie wieder kam, hat sie mir einen Stapel Zettel in die Hand gedrückt und einen Zettel mit einer Wartenummer. Die Zettel soll ich wohl ausfüllen.
Die acht Seiten waren komplett auf koreanisch. Und ich hatte auch keine Ahnung was ich da überhaupt ausfülle. Aber ich konnte mir schon denken, dass ich wohl grad ein Konto eröffne. Meine Koreaner waren mittlerweile Mittagessen und so musste ich mit meinem koreanisch alleine zurechtkommen. Bis auf ein paar Felder ging das auch. Die Frau am Schalter konnte dann auch ganze vier Worte Englisch. "Hello" und "Please sign here". Nur ein leeres Feld auf dem Formular schien ihr so wichtig zu sein, dass sie es extra übersetzt hat. Meine Blutgruppe. Warum auch immer die Bank meine Blutgruppe wissen will.
Am Ende habe ich dann eine Karte und ein Büchlein mit einer Kontonummer drauf bekommen. Also habe ich wohl nun ein koreanisches Konto. Mit dem Kram bin ich dann zurück zum ersten Gebäude und habe dort alles vorgelegt. Nach etwa 5 Minuten habe ich dann endlich meinen Studentenausweis ausgehändigt bekommen. Jetzt erstmal nen billigeren Kaffee holen.

Mittwoch, 25. September 2013

In Korea altert man schneller

Gestern noch 30, heute schon 32. Man ging das schnell. Ich fühl mich auch schon ganz gebrechlich. Aber wie kommt das?
In Korea haben Beruf und Alter im sozialen Zusammenleben einen viel höheren Stellenwert. Daher wird man oft auch direkt beim ersten Aufeinandertreffen nach beidem gefragt. Nur wird das Alter hiernanders berechnet.
Die neun Monate im Bauch der Mutter zählen schon als Lebenszeit. Kinder sind dann bei ihrer Geburt bereits ein Jahr alt. Beziehungsweise interpretiert man hier Alter eher so, dass man in seinem ersten Lebensjahr ist. Da früher viele Kinder in den ersten hundert Tagen gestorben sind, wird traditionell hundert Tage nach der Geburt der erste Geburtstag des Kindes gefeiert. Diese hundert Tage sind sehr tief verankert. Auch an der Uni gibt es für Erstsemester nach hundert Tagen eine Feier, weil sie nun das Schlimmste überstanden haben.
Ab dann zählt nur noch das Geburtsjahr. Ja, hier werden tatsächlich zum Jahreswechsel alle Koreaner ein Jahr älter. Wir ein Kind also einen Tag vor Neujahr geboren, so ist es einen Tag später schon zwei Jahre alt. Der Geburtstag selbst wird jedoch am eigentlichen Geburtstag gefeiert. Schon kompliziert genug? Nein! Um es noch etwas komplizierter zu machen, hat man in Korea drei unterschiedliche Alter. Denn man kann den Neujahrstag nach dem gregorianischen Kalender und dem Mondkalender berechnen. Bei offiziellen Dingen und Dokumenten wird das Alter dann wie bei uns in Europa berechnet.
Lange Rede kurzer Sinn. Ich bin jetzt offiziell ALT. Und das muss gefeiert werden. Heute abend war ich mit ein paar Koreanern aus meiner Gruppe und zwei meiner deutschen Mitbewohner in einer Makgeolli Bar. Als Gastgeschenk hatte ich Ahoi-Brause mitgebracht. Statt Vodka-Brause sollten die Koreaner mal Soju-Brause probieren. Seltsamerweise gab es das koreanische Nationalgetränk in dieser Bar nicht. Daher haben wir die Brause mit einem Bambusschnaps getrunken. Die Koreaner haben direkt eine Bestellung für mehrere Packen Ahoi-Brause aufgegeben. Insgesamt war es ein sehr netter Abend. Zuhause haben mich dann schon die anderen Deutschen mit einem Lied und einer Torte erwartet. Natürlich wurde diese stilecht mit Stäbchen vernichtet. Da man Akku noch von Japan leer war, gibt es davon leider keine Bilder. Aber ein Bild meines neuen Würfelbeutels kann ich euch zeigen. Den hab ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt ;)

Liebe Grüße vom alten Bärchen aus Korea

Montag, 23. September 2013

Alle lieben Hypno Kröte

Jennifer und Phillip sind heute morgen um halb sechs aufgebrochen, um sich den Kiyomizu Tempel ohne die Massen an Touristen anzugucken. Da wir damit rechnen mussten heute Nacht im Bus wieder keinen Schlaf zu bekommen, haben sich alle Anderen dafür entschieden zu etwas humaneren Zeiten aufzubrechen. Pi, Julian und ich sind zusammen zum Fushimi Inari-Taisha gefahren. Er gehört zu den bekanntesten Schreinen Japans und ist Kami Inari, der Göttin der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse gewidmet. Ein Highlight sind die fuchsroten Tore, die den Weg pflastern. Allein die Menge ist beeindruckend. Auf dem gesamten Weg stehen über zehntausend dieser Tore. Nur unterbrochen von kleinen Tempeln und einer Menge kleiner Friedhöfe. Diese sind natürlich auch mit den roten Toren dekoriert.
Schon recht bald haben Julian und Pi sich abgesetzt, da sie schneller voran kommen wollten. Also habe ich mich alleine auf den Bergrundgang gemacht. Anfangs kam man auf der Karte relativ schnell voran. So sah der Rundweg anfangs nicht sonderlich weit aus. Allerdings war die Karte nicht maßstabsgetreu und schon bald entpuppte sich das ganze als eine ausgedehnte Bergtour. Insgesamt bin ich am Ende drei Stunden lang von roten Toren geleitet durch die Berge gerannt. Beim Abstieg habe ich dann Jennifer und Phillip getroffen, die gerade auf dem Weg nach oben waren. Abends habe ich dann erfahren, dass alle Anderen an der ersten Zwischenstation keine Lust mehr hatten und nur den kurzen Weg gelaufen sind. Ich bin also als einziger Depp stundenlang um den ganzen Berg gewandert. Aber ich finde es hat sich gelohnt.
Zurück in Kyoto gelangte ich durch das direkt neben unserem Hostel gelegene Nishi Otani Mausoleum und den daran angeschlossenen Friedhof zum Kiyomizu-dera Tempel. Dieser steht auf riesigen Balken an einem Berghang. Von hier oben hatte man einen sehr schönen Blick auf den umliegenden Wald und die Stadt.
Bevor ich mich zum Abfahrtspunkt für unseren Nachtbus gemacht habe, wollte ich mir noch den Heian Schrein angucken, der aber leider schon geschlossen hatte. Nun warten acht Stunden unbequeme Fahrt im Bus auf mich. In Tokyo brauchen wir dann auch noch etwa zwei Stunden zum Flughafen, der Flug wird etwas mehr als zwei Stunden dauern und vom Flughafen nach Seoul muss man auch nochmal zwei Stunden rechnen. Es steht als eine etwas längere Rückreise vor uns. Aber das war es auf jeden Fall wert. Japan ist ein wunderschönes Land mit sehr netten Menschen und einer beeindruckenden Kultur. Ich werde sicher nicht das letzte mal hier gewesen sein.
Liebe Grüße
Eure Hypno Kröte


2013-09-23 Japan 7