Donnerstag, 26. September 2013

Blutbank

Heute habe ich endlich meinen Studentenausweis erhalten. Nun kann ich mir selber Essensmarken kaufen und kriege auf dem Campus Rabatt auf Kaffee (besonders wichtig). Und es ging fast schnell und unkompliziert.
Zuerst musste ich Passbilder machen lassen. Dass der Fotograf nur koreanisch gesprochen hat, hat es nicht unbedingt einfacher gemacht. Als ich ihm dann noch erzählt habe, dass ich aus Deutschland komme, hat er aus irgendeiner Ecke eine deutsche Bibel hervorgezaubert, dort auf Bibelstellen gedeutet, in denen Stefan vorkommt und mir eine Einladung in seine Kirchengemeinde in die Hand gedrückt. Nach einiger Zeit habe ich dann tatsächlich noch Passbilder bekommen.
Nun wollte ich meinen Studentenausweis abholen. Da das ja nicht so schwer sein sollte, habe ich heute mal keinen Dolmetscher mitgenommen. Die Frau am Schalter hat nur Student-Card verstanden und auf dem Campusplan auf ein eingekreistes Gebäude gezeigt. Da muss ich wohl hin. Dort angekommen stand ich vor einer Bank. Drinnen hing schon ein Plakat mit Student-Card blabla irgendwas. Als ich länger als zwei Sekunden auf das Plakat geschaut habe, kam schon eine Mitarbeiterin auf mich zu, die direkt nach meiner Alien registration card gefragt hat. Als sie wieder kam, hat sie mir einen Stapel Zettel in die Hand gedrückt und einen Zettel mit einer Wartenummer. Die Zettel soll ich wohl ausfüllen.
Die acht Seiten waren komplett auf koreanisch. Und ich hatte auch keine Ahnung was ich da überhaupt ausfülle. Aber ich konnte mir schon denken, dass ich wohl grad ein Konto eröffne. Meine Koreaner waren mittlerweile Mittagessen und so musste ich mit meinem koreanisch alleine zurechtkommen. Bis auf ein paar Felder ging das auch. Die Frau am Schalter konnte dann auch ganze vier Worte Englisch. "Hello" und "Please sign here". Nur ein leeres Feld auf dem Formular schien ihr so wichtig zu sein, dass sie es extra übersetzt hat. Meine Blutgruppe. Warum auch immer die Bank meine Blutgruppe wissen will.
Am Ende habe ich dann eine Karte und ein Büchlein mit einer Kontonummer drauf bekommen. Also habe ich wohl nun ein koreanisches Konto. Mit dem Kram bin ich dann zurück zum ersten Gebäude und habe dort alles vorgelegt. Nach etwa 5 Minuten habe ich dann endlich meinen Studentenausweis ausgehändigt bekommen. Jetzt erstmal nen billigeren Kaffee holen.

Mittwoch, 25. September 2013

In Korea altert man schneller

Gestern noch 30, heute schon 32. Man ging das schnell. Ich fühl mich auch schon ganz gebrechlich. Aber wie kommt das?
In Korea haben Beruf und Alter im sozialen Zusammenleben einen viel höheren Stellenwert. Daher wird man oft auch direkt beim ersten Aufeinandertreffen nach beidem gefragt. Nur wird das Alter hiernanders berechnet.
Die neun Monate im Bauch der Mutter zählen schon als Lebenszeit. Kinder sind dann bei ihrer Geburt bereits ein Jahr alt. Beziehungsweise interpretiert man hier Alter eher so, dass man in seinem ersten Lebensjahr ist. Da früher viele Kinder in den ersten hundert Tagen gestorben sind, wird traditionell hundert Tage nach der Geburt der erste Geburtstag des Kindes gefeiert. Diese hundert Tage sind sehr tief verankert. Auch an der Uni gibt es für Erstsemester nach hundert Tagen eine Feier, weil sie nun das Schlimmste überstanden haben.
Ab dann zählt nur noch das Geburtsjahr. Ja, hier werden tatsächlich zum Jahreswechsel alle Koreaner ein Jahr älter. Wir ein Kind also einen Tag vor Neujahr geboren, so ist es einen Tag später schon zwei Jahre alt. Der Geburtstag selbst wird jedoch am eigentlichen Geburtstag gefeiert. Schon kompliziert genug? Nein! Um es noch etwas komplizierter zu machen, hat man in Korea drei unterschiedliche Alter. Denn man kann den Neujahrstag nach dem gregorianischen Kalender und dem Mondkalender berechnen. Bei offiziellen Dingen und Dokumenten wird das Alter dann wie bei uns in Europa berechnet.
Lange Rede kurzer Sinn. Ich bin jetzt offiziell ALT. Und das muss gefeiert werden. Heute abend war ich mit ein paar Koreanern aus meiner Gruppe und zwei meiner deutschen Mitbewohner in einer Makgeolli Bar. Als Gastgeschenk hatte ich Ahoi-Brause mitgebracht. Statt Vodka-Brause sollten die Koreaner mal Soju-Brause probieren. Seltsamerweise gab es das koreanische Nationalgetränk in dieser Bar nicht. Daher haben wir die Brause mit einem Bambusschnaps getrunken. Die Koreaner haben direkt eine Bestellung für mehrere Packen Ahoi-Brause aufgegeben. Insgesamt war es ein sehr netter Abend. Zuhause haben mich dann schon die anderen Deutschen mit einem Lied und einer Torte erwartet. Natürlich wurde diese stilecht mit Stäbchen vernichtet. Da man Akku noch von Japan leer war, gibt es davon leider keine Bilder. Aber ein Bild meines neuen Würfelbeutels kann ich euch zeigen. Den hab ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt ;)

Liebe Grüße vom alten Bärchen aus Korea

Montag, 23. September 2013

Alle lieben Hypno Kröte

Jennifer und Phillip sind heute morgen um halb sechs aufgebrochen, um sich den Kiyomizu Tempel ohne die Massen an Touristen anzugucken. Da wir damit rechnen mussten heute Nacht im Bus wieder keinen Schlaf zu bekommen, haben sich alle Anderen dafür entschieden zu etwas humaneren Zeiten aufzubrechen. Pi, Julian und ich sind zusammen zum Fushimi Inari-Taisha gefahren. Er gehört zu den bekanntesten Schreinen Japans und ist Kami Inari, der Göttin der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse gewidmet. Ein Highlight sind die fuchsroten Tore, die den Weg pflastern. Allein die Menge ist beeindruckend. Auf dem gesamten Weg stehen über zehntausend dieser Tore. Nur unterbrochen von kleinen Tempeln und einer Menge kleiner Friedhöfe. Diese sind natürlich auch mit den roten Toren dekoriert.
Schon recht bald haben Julian und Pi sich abgesetzt, da sie schneller voran kommen wollten. Also habe ich mich alleine auf den Bergrundgang gemacht. Anfangs kam man auf der Karte relativ schnell voran. So sah der Rundweg anfangs nicht sonderlich weit aus. Allerdings war die Karte nicht maßstabsgetreu und schon bald entpuppte sich das ganze als eine ausgedehnte Bergtour. Insgesamt bin ich am Ende drei Stunden lang von roten Toren geleitet durch die Berge gerannt. Beim Abstieg habe ich dann Jennifer und Phillip getroffen, die gerade auf dem Weg nach oben waren. Abends habe ich dann erfahren, dass alle Anderen an der ersten Zwischenstation keine Lust mehr hatten und nur den kurzen Weg gelaufen sind. Ich bin also als einziger Depp stundenlang um den ganzen Berg gewandert. Aber ich finde es hat sich gelohnt.
Zurück in Kyoto gelangte ich durch das direkt neben unserem Hostel gelegene Nishi Otani Mausoleum und den daran angeschlossenen Friedhof zum Kiyomizu-dera Tempel. Dieser steht auf riesigen Balken an einem Berghang. Von hier oben hatte man einen sehr schönen Blick auf den umliegenden Wald und die Stadt.
Bevor ich mich zum Abfahrtspunkt für unseren Nachtbus gemacht habe, wollte ich mir noch den Heian Schrein angucken, der aber leider schon geschlossen hatte. Nun warten acht Stunden unbequeme Fahrt im Bus auf mich. In Tokyo brauchen wir dann auch noch etwa zwei Stunden zum Flughafen, der Flug wird etwas mehr als zwei Stunden dauern und vom Flughafen nach Seoul muss man auch nochmal zwei Stunden rechnen. Es steht als eine etwas längere Rückreise vor uns. Aber das war es auf jeden Fall wert. Japan ist ein wunderschönes Land mit sehr netten Menschen und einer beeindruckenden Kultur. Ich werde sicher nicht das letzte mal hier gewesen sein.
Liebe Grüße
Eure Hypno Kröte


2013-09-23 Japan 7

Sonntag, 22. September 2013

Ich glaub mich laust der Affe

Unser erstes Ziel war heute der Kinkaku-ji. Dieser Tempel ist für seinen goldenen Pavillon berühmt. Der Name ist Programm. Die oberen Stockwerke sind komplett mit Blattgold überzogen. Wirklich sehr beeindruckend. Danach sind wir noch zur Tempelanlage Ninna-ji gefahren. Dieser Tempel ist bekannt für seinen Zen-Garten. Uns war aber der Eintritt zu teuer und die Zeit zu knapp, da wir heute noch einiges vor hatten.
Mit dem Bus ging es nach Arashiyama. Dort haben wir einen Affenpark besucht. Die Affen laufen hier einfach frei rum. Oben in der Station kann man sie auch füttern. Das haben wir aber nicht gemacht. Ich hatte dazu wieder ein sehr zwiegespaltene Meinung. Einerseits guckt man sich sowas ja gerne an. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass das artgerecht ist. Es ist sicher praktisch, aber einfach nicht natürlich, dass Affen durch eine bestimmte Melodie konditioniert zum Futterplatz kommen und Menschen so nah an sich heran lassen. Immerhin haben sie genug Rückzugsmöglichkeiten und deutlich mehr Platz als in einem Zoo.
Zum Ausklang des Ausflugs sind wir dann durch den Bambuswald Sagano gelaufen. Da es schon recht spät war, hielt sich der Andrang in Grenzen und wir konnten diesen idyllischen Ort genießen. Wir entschieden uns auch ein wenig Abseits der Touristenstrecke durch den Ort zu gehen. Es war ein sehr interessanter Spaziergang. Zum Abendessen ging es dann wieder zurück in die deutlich belebtere Stadt.
2013-09-22 Japan 6

Samstag, 21. September 2013

Auf zu Pinocchio

Sehr spät Abends haben wir die Großstadt Tokyo mit einem Nachtbus verlassen. Nach etwa acht Stunden Fahrt mit maximal einer Stunde Schlaf sind wir in der Kleinstadt Kyoto angekommen. Naja, diese Kleinstadt hat fast doppelt so viele Einwohner wie Frankfurt und nur ein paar weniger Einwohner als Deutschlands zweitgrößte Stadt Hamburg. Trotzdem kommt man sich hier vor wie auf dem Lande, weil große Häuser fehlen und rund herum Berge sind. Und eben diese wollen bestiegen werden. Gibt es denn etwas Besseres, um nach einer Nacht mit kaum Schlaf munter zu werden, als vier Stunden durch die Berge zu rennen? Also für mich alte Bergziege nicht.
Nachdem wir unser Gepäck im Hostel abgestellt haben, sind wir direkt auf den Berg Kurama gefahren. Hier gibt es einen Rundweg, der einen an den Gebäuden des Kurama-dera Tempels vorbei führt. Hier soll Mikao Usui meditiert haben und das Wissen um Reiki erlangt haben. Julians Zusammenfassung des Flyers war etwas passender: "Das war mal ein buddhistischer Tempel und nun ist das irgend so ne Sekte." Dazu fiel mir nur eins ein: Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? --- Sie sind InSekten.
Oben auf dem Berg waren dann auch ein paar komische Leute, die im Wald meditiert und Bäume umarmt haben. Ich habe mir die schöne Landschaft lieber nur angeguckt. Letzte Woche hat hier ein heftiger Taifun (Man-yi) gewütet. Die Aufräumarbeiten sind schon sehr weit voran geschritten, aber an vielen Stellen sieht man noch welches Chaos hier geherrscht haben muss.
Zurück im Hostel sind wir dann nur noch in unsere Betten, beziehungsweise Schlafmatten, gefallen. Endlich ein paar Stunden schlafen.
2013-09-21 Japan 5

Freitag, 20. September 2013

Zutritt verboten

Heute haben wir uns noch einmal mit Go getroffen, der uns etwas durch die Stadt führen wollte. Erstes Ziel war der Kaiserpalast. Der Palast ist für die Öffentlichkeit leider unzugänglich und man kann nur einen sehr kleinen Teil des anliegenden Parks besuchen. Die Anlage selbst ist riesig und wir sind nur einen ganz kleinen Teil abgelaufen. Nach dem Mittagessen haben wir uns wieder aufgeteilt. Eine Gruppe ist heute in den Ueno-Park gefahren, eine andere in die Stadt zum shoppen und Julian und ich sind in einen anderen Teil der Stadt gefahren.
Zuerst waren wir am Hauptbahnhof. Dieser wurde erst kürzlich anhand alter Pläne restauriert. Die Vorderseite sieht nun aus wie das Originalgebäude von 1914, während dir Rückseite recht modern gestaltet ist. Unter dem Bahnhof ist eine riesige Einkaufspassage. Besonders interessant waren natürlich wieder die Kitschläden.
Abends bin ich dann noch nach Ginza gefahren. Das ist ein Einkaufsviertel der gehobeneren Klasse. Aber ich hatte ein festes Ziel vor Augen. Ich habe gelesen, dass es hier einen großen Spielzeugladen geben soll. Und ich habe ihn auch gefunden. Der Laden hatte nicht nur alles Mögliche und Unmögliche, sondern auch ein eigenes Restaurant und Kino in den oberen Stockwerken. Hier hätte man sich zu Tode kaufen können. Ich habe es dann aber doch bei Kleinigkeiten belassen.
Nachts haben wir uns dann alle wieder getroffen, um gemeinsam zum Abfahrtsort unseres Nachtbuses nach Kyoto zu fahren. Nun liegen acht Stunden Fahrt vor uns.

Donnerstag, 19. September 2013

Eine Seefahrt die ist lustig

Der heutige Tag begann etwas unspektakulär. Für unsere Reise nach Kyoto hatten wir Bustickets gebucht. Da zwischen An- und Abreise vier Tage liegen haben wir  ein Fünf-Tages-Ticket gekauft, was immernoch billiger war als zwei Einzeltickets. Vor Ort haben wir nun erfahren, dass es nicht Fünf-Tages-Tickets, sondern fünf Tages-Tickets sind. Wir können sie aber noch bis heute abend stornieren und ein Dreier-Ticket kaufen. Da aber das Internet in unserem Hostel so unvorstellbar langsam ist, sind wir hierfür in ein Manga und Internet-Café gegangen. Nun hatten wir nur noch ein paar Stunden Zeit bis zum nächsten Punkt auf unserem Tagesprogramm. Einer Bootstour. Ja, ich und ein Boot. Mir ist schon vorher schlecht. Aber zuvor haben wir uns aufgeteilt und unterschiedliche Dinge gemacht. Während die Anderen shoppen gegangen sind, hat es Elias und mich in den Ueno-Park gezogen. Hier findet man kleinere Tempel, Museen, einen Zoo mit Riesenpandas, ein Baseballfeld und viele Künstler zeigen ihr Können.
Später haben wir uns alle wieder zur Bootstour getroffen. Nein, das war nicht meine Idee. Ich habe mich auch lange dagegen gesträubt. Aber es war von der Planung her einfach sehr praktisch. Das Boot fuhr vor unserer Haustür ab und hat uns direkt auf die künstliche Insel Odaiba gefahren. Dort wollten wir bei Nacht mit dem Riesenrad fahren und einen Freund treffen. Also bin ich in dieses wackelige Folterwerkzeug gestiegen.
Endlich in Odaiba angekommen musste ich mich erstmal eine halbe Stunde auf den Boden setzen. Schiffe sind böse und gehören einfach verboten. Wenigstens hatten wir von der Anlegestelle aus einen schönen Blick auf die Rainbow Bridge und die Skyline, hinter der gerade die Sonne unterging. Mit etwas wackeligen Beinen ging es dann weiter Richtung Riesenrad, vorbei an einem Replikat der Freiheitsstatue. Als wir um die Ecke eines Einkaufscenter bogen, standen wir dann auf einmal vor einem riesigen Roboter. Einfach Klasse :)
Das Riesenrad Daikanransha ist mit 115 Metern das zweitgrößte Riesenrad der Welt. Es hat 64 Gondeln, vier davon sind Glasgondeln. Ist ja klar welche Gondel wir genommen haben. Leider war das "Glas" der Gondel schon eher Milchglas. Aber der Ausblick über Tokyo bei Nacht war trotzdem sehr schön. Zusammen mit Go, einem japanischem Studenten, der in Mainz studiert hat und nun in Kyoto studiert, ging es zurück aufs "Festland" zum Abendessen.
2013-09-19 Japan 3